Wenn da Hügel im Wald liegen…

… sollte man sich vor den Bienen in Acht nehmen.

Irgendwann im letzten Herbst bin ich, auf dem Rückweg von Amberg, einfach mal bei Steiningloh nach links von der normalen Strecke abgebogen. Die Straße dort führt von Steiningloh, über Höhengau, eine recht steile Bergwand hinab ins Gebenbachtal und bei Ursulapoppenricht zurück auf die B299. Ein paar hundert Meter nach dem Ortsende von Steiningloh kommt man durch ein kleines Wäldchen. Dort hat es mich regelrecht gerissen: direkt neben der Straße gibt es eine ganze Reihe von Hügeln einfach im Wald – eigentlich nichts seltsames, aber hier waren es recht eindeutig Grabhügel.

Wieder daheim bestätigte ein Blick in den Denkmalatlas meine Ahung. Da verstecken sich doch glatt etwa 60 bronzezeitliche Grabhügel einfach so in der nörlichen Oberpfalz (unter der D-3-6437-0074 in der bayerischen Denkmalliste zu finden). Gut, hier um Amberg herum ist das nichts ungewöhnliches. Hier gibt es so viele vorgeschichtliche Spuren, dass es einen eher wundern sollte warum so wenig aktiv geforscht wird. Im Denkmalatlas kann man sich auch ein Bodenrelief einblenden, in dem man einige der Hügel sehr gut erkennen kann. Nachdem ich beim „entdecken“ nicht viel Zeit hatte stand fest, dass ich bei Gelegenheit dort noch einmal vorbeifahren wollte.

Ein bisschen Recherche war zwischendurch auch nicht schlecht. Der Ortsname Steiningloh ist doch recht interessant. Loh hat in der üblichen Lehrmeinung zwei verschiedene Bedeutungen: nasse Wiese, Sumpfwiese (von lateinisch „labina“ was wohl soviel wie Schlamm oder Lawine bedeutet) und Wald, Hain, Holz, Gehölz, Gebüsch von lateinisch „lucus“. Daneben gibt es noch eine dritte, sehr interessante Meinung zur Bedeutung von -loh-Namen: der Eichstätter „Spracharchäologe“ Rupert Stadler führt die Bezeichnung auf den keltischen Begriff Laght (wie lacht zu sprechen) zurück, der soviel wie Grab oder Steinhaufen um an jemenden zu erinnern bedeutet. Er ignoriert dabei zwar die lautlich alternativen keltisch-irischen Begriffe Lough (See) und Lag (Grube, Senke), aber bietet trotzdem einen anderen Interpretationsansatz. Zumindest ist es sehr auffällig, das oft dort Grabhügel zu finden sind, wo die Flur- und Ortsnamen Loh, Loch oder ähnliches enthalten. Interessant wäre es, hier mal herauszufinden, wie häufig eine ortliche Übereinstimmung gegeben ist.

Im Fall von Steiningloh ist der geografische Zusammenhang sehr deutlich. Auch ein Stück weiter, kurz hinter Höhengau, gibt es im Lohstrichholz wieder einige Hübelgräber – das verrät zumindest der Denkmalatlas. Wieder ein Stück weiter, im Lohholz, sieht man im Bodenrelief wiederrum Hügel, die auch Grabhügel sein könnten, in dem Fall aber nicht im Denkmalatlas geführt werden.

Es ist Frühling – auf zu den Hügeln

Jetzt hatte ich die Zeit und die Gelegenheit. Ich war in Amberg bei einem Werkstatttermin (Werkstattbindung bei KFZ-Versicherungen ist was ganz tolles). Auf dem Rückweg wollte ich dort kurz halten und ein paar Bilder machen. Also hin, am Feldweg geparkt und losgetigert. Allerdings stand da eine ganze Reihe von Bienenstöcken am Waldrand – genau da, wo ich hin wollte. Aber gut, ich bin nicht allergisch wenn’s um Bienen geht und ein ruhiger Mensch bin ich eigentlich auch. Es sollte also nichts passieren. Ein Schild vor Ort informiert darüber, wem die Bienen gehören und dass man einfach gut zwei Meter Abstand zu den Stöcken halten sollte. Schließlich sind Bienen ja grundsätzlich friedliche Tiere. Gelesen, getan. Ich bin mit ein paar Metern Abstand hinter den Stöcken im Wald in Richtung der Hügel gelaufen und habe meine Bilder gemacht. Leider sieht man auf Fotos von solchen Strukturen im Wald nicht allzuviel. Aber man kann sie doch erahnen, die sanften Hügel, die vielleicht noch einen Meter hoch, zwischen den Laubbäumen aus dem Waldboden herausragen.

So, und was ist jetzt mit den Bienen? Die sind doch friedlich? Ja, sind sie – solange nicht gerade ein Gewitter aufzieht. Und an diesem Nachmittag zog ein Gewitter auf. Auf dem Weg zurück zum Auto und um noch zu den Hügeln auf der anderen Straßenseite zu kommen, habe ich mich entschlossen, nicht hinter den Stöcken vorbeizugehen, sondern davor, in der Wiese zu laufen. Ich wollte auch noch ein paar Bilder von den Bienen beim Ausfliegen aus dem Stock machen. Da hatten die Damen (und Herren) etwas dagegen. Obwohl ich mindestens fünf Meter Sicherheitsabstand eingehalten habe, sind die kleinen Honigproduzenten auf mich los. Mir hat es ein paar Stiche eingebracht, drei am Kopf, am Bauch – ein paar Bienen hat es das Leben gekostet. Wenn ihr mich angreift, wehr ich mich. Ich bin dann nur noch so schnell wie möglich weg und hab mit meinem T-Shirt die Viecher versucht los zu werden. Das nächste mal weiß ich, dass ich darauf achten muss, dass weder der Raps blüht, noch ein Bauer in der nähe Odl ausgefahren hat. Und besonders, dass Bienen bei drückend warmem Wetter, vor Gewittern, sehr aggressiv werden könnten. Hätte der Imker seine Telefonnummer auf seinem Infozettel stehen gehabt, hätte er sich in dem Moment ein paar flätige Ausdrücke über seine Schützlinge anhören dürfen.

 

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