Verlassene Orte – Schloss und Gruft Waldheim (Zahájí)

Nachdem schönes Frühlingswetter uns aus der nichtvorhandenen Winterstarre gelockt hat, ging es an diesem herrlichen Sonntag mal wieder Richtung tschechische Nachbarn. Genauer gesagt, war es wieder eine dieser Spontannachrichten, die uns von unseren sehr guten Freunden erreicht hat, und die uns an diesen interessanten Ort geführt hat. Die grobe Wegbeschreibung hatten wir und ein Treffpunkt war vereinbart. Kurz hinter Georgenberg – in Lösselmühle wollten wir uns treffen. Da gibt es einen Wandergrenzübergang, von dem kommt hier mal irgendwann noch ein Bild dazu. Wenige Meter hinter dem Grenzübergang stand dann schon ihr Auto am Wegrand.

Auf den ersten Blick war hier nichts ungewöhnliches zu Entdecken: Ein alter Feldweg, ein größerer Weiher, eingezäunte Weiden und ein Wäldchen oben auf dem Hügel. Zu diesem Wäldchen ging es dann hoch – einmal quer über die Weide und über den (zum Glück) abgestellten Elektrozaun. Dort oben am Waldrand steht man dann plötzlich vor Ruinen. Mauerreste, Gewölbe, Bögen und ein Eingang in die Unterwelt tun sich vor einem auf.

Die Unterwelt ist die ehemalige Gruft der Familie von Malowetz, einem der ältesten Adelsgeschlechter Böhmens und wurde um 1830 errichtet. Das Schloss hier oben ist schon deutlich älter und wurde wohl von den Herren von Lobkowitz erbaut. Sicher ist das jedoch nicht, denn die Lobkowitzer haben 1666 das Gut, die Glashütten und alles was dazugehört, bereits gekauft. In „Das Königreich Böhmen: Bd. Pilsner Kreis.“ (1838) von Johann Gottfried Sommer ist vermerkt, dass das Allodial-Gut Waldheim 1620 einer Frau von Bok, geborene Gfeller von Sachsengrün, gehört hat. Davor werden die Wirsberger in Waldau als Besitzer genannt. Ebenso gibt es neben dem Schloss, dass hier bis ins letzte Jahrhundert stand, noch einen älteren Vorgängerbau, wahrscheinlich eine Burg. Sicher ist dagegen, dass der Ort Waldheim 1608 das erste mal in der Form erwähnt wird. Und bereits von 1592 ist bekannt, dass die Glashütte hier dem Glasmacher Paul Schürer gehörte, der in diesem Jahr von Kaiser Rudolf III. in den Adelsstand erhoben wurde und den Beinamen „von Waldheim“ erhielt. Selbst hatte Schürer wohl die Glashütte zusammen mit dem umliegenden Wald von den Herren von Pfraumberg erworben. Aber verlässliche Quellen gibt es für das alles recht wenig.

Ab1884 verfiel das Schloss, wobei die letzte Beerdigung in der Gruft erst 1902 war. 1919 wurde die Gruft von unbekannten gewaltsam geöffnet und danach nicht mehr verschlossen. Die sterblichen Überreste die dort noch lagen wurden 1942 auf dem Friedhof von Neulosimthal endgültig beerdigt – so steht es auf einer Infotafel, die der OWV Georgenberg 2013 neben den Ruinen angebracht hat.

Ein Cache liegt hier auch – aber Achtung, der Empfang könnte etwas schlecht sein: https://coord.info/GC3VXAQ

Alte Bilder und Karten gibt’s hier: http://www.zanikleobce.cz/index.php?obec=2735

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  1. Pingback: Verlassene Orte – Von der Gruft zum Friedhof – Neulosimthal (Jedlina) – Gardevias

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