Bei uns in der Oberpfalz gibt es vieles, womit man nicht rechnen würde, aber ein Hafendeck? Kleine Flusshäfen entlang der Donau, ok. In Regensburg den größeren Binnenhafen auch an der Donau – die ist ja schließlich eine große Wasserstraße und verbindet durch den Rhein-Main-Donau-Kanal die Nordsee mit dem Schwarzen Meer. Aber in der nördlichen Oberpfalz? Hier gibt es zwar tausende von kleinen Weihern, in denen meistens Karpfen gezüchtet werden, und die Naab und ihre vielen kleinen Zubringer durchziehen die Landschaft, aber einen Hafen? Ein Hafendeck? Wenn man bei google danach sucht, kriegt man einige Treffer auf Sylt und halt im Norden und zwei Orte in der Hofer Gegend – Hof? Ok – passt auch nicht wirklich. Aber bei uns? In Störnstein?

Naja, was gibt’s bei uns noch viel? Geschichten, Märchen, Legenden. Da gehen weiße Frauen um, da weht es um kalte Bäume, da zieht die wilde Jagd, da tanzen und Buttern Teufel, was das Zeug hält.  Es gibt jede Menge interessante Stein- und Felsformationen, die schon lange die Phantasie der Menschen beflügelt haben und an vielen Stellen ist eine kultische Nutzung in vorchristlicher Zeit recht wahrscheinlich. Oft wurden an solchen Stellen dann Kirchen, Kapellen und Kreuze aufgebaut – um die bösen Geister zu bannen. Das Hafendeck bei Störnstein ist genau so eine Stelle. Der Teufel soll dort umgegangen sein – es könnte aber auch einfach naturreligiöse Feiern gewesen sein, die den Christen nicht gepasst haben. Trotz aller Verbote und trotz aller Verdrängung haben sich viele „heidnische“ Bräuche bis in unsere Zeit erhalten. Auch wenn sie heute nicht mehr als solche wahrgenommen werden, oder religiös überprägt sind. Auf jeden Fall wurde bei dieser Felsformation um 1400 herum eine Kapelle gebaut, die St. Salvator geweiht war.

Aber wieso jetzt „Hafendeck“? Was soll das mit einem Hafen zu tun haben? Na, genau weiß das heute wohl keiner. Aber es lässt sich vielleicht auch eher etymologisch erschließen – also über die Lehre der Wortentstehung und Wortveränderung. Bei dieser Felsformation liegt ein Stein auf ein paar anderen fast flach oben drauf – er deckt diese ab, wie ein Deckel ein Haferl! Der Ausdruck „Hafen“ dürfte hier wohl nicht von dem Teil für Schiffe kommen, sondern von dem, bei uns noch gebräuchlichen Wort für ein Hohlgefäß, eine Tasse, einen Eimer: der Hafen, das Haferl – der Humpen ist das gleiche.

Wo liegt das jetzt? Ein paar hundert Meter südlich von Störnstein auf einer kleinen Anhöhe direkt am Waldrand. Unterhalb fließt die Girnitz vorbei, die hier den Doost schon hinter sich gebracht hat. Bei 49.725733, 12.211175 – allerdings ist das Gelände von einem Wildschutzzaun umgeben.

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